Bericht aus dem Ministerium für Denunziation und Demagogie: „Fühlgut“-Werbung im ideologischen Guerillakrieg.

Unlängst hat mir unsere Fotografin, Frau Violet Jane Waters, ein sehr gelungenes Triptychon und ihre Fähigkeiten zur Bearbeitung desselben zur Verfügung gestellt.

Das Ergebnis ist, wie ich meine, eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Schmutzkampagnen, die wir hier ansonsten hervorzubringen gewohnt sind.

„Fühlgut“- Werbung (ein echter Rosenkranz) statt Agitprop? Positive Inhalte und eine freundliche, lebensbejahende Botschaft statt bissigem Spott und grenzenloser Verachtung gegenüber der Arbeitslüge bzw. ihren Verfechtern?

Ich bekenne, zu Anfang skeptisch gewesen zu sein, erklärte mich jedoch dazu bereit, meine kreativen Energien mit jenen der Frau Waters zu bündeln und die Bilder behutsam ideologisch aufzuladen.

Ein Satz zum philosophischen Background

Thematischer Rahmen ist die Symbolisierung (Allegorisierung) dreier für das Konzept eines geglückten/glücklichen Lebens wichtiger Basiskompetenzen, (die zwar nicht notwendigerweise aus Untätigkeit hervor gehen müssen, aber ohne ein gewisses Mindestmaß an Untätigkeit keinesfalls zur Vollendung gebracht werden können) durch die als Modelle (Avatare) fungierenden AlphagammlerInnen sowie die Harmonisierung dieser Einzelaspekte im Begriff des Gammelns.

CHILL – Gammeln ist zeitlos

Werbung als Form der Ideologiekritik

Werbung sollte für sich selbst sprechen. Erlauben sie mir, verehrte Leser, an dieser Stelle trotzdem noch einen Kommentar zur Bildsprache (kommerzieller) Werbung: Diese enthält stets implizit eine Drohung an den Systemverweigerer im kapitalistischen (arbeitsnormativen) Diskurs: „Arbeite fleißig, sonst kannst du dir all die schönen, teuren Luxusgüter nicht leisten, die du hier beworben siehst; all die Güter, die wir dem Arbeitsunwilligen vorenthalten.“

„Schau, Arbeitsunwilliger!“ droht die Werbung, „schau wie glücklich die von uns dargestellten Menschen sind! Hättest du das auch gern? Zu dumm, denn wenn du nicht arbeitest bekommst du das nicht!“

PRAY – Gammeln ist zeitlos

Indem Frau Waters und ich uns der Sprache der „Fühlgut“-Werbung bedienen bleibt die besagte implizite Drohung erfreulicherweise erhalten und kann so auf die arbeitsnormative Gesellschaft zurück geworfen werden: Auch wir bewerben Güter.

Gemütsruhe, Gottvertrauen und Liebe sind zweifellos erstrebenswert, aber nicht käuflich.

Indem wir Güter bewerben, die mit Arbeit nicht zu erlangen sind, Güter, die gerade abseits der Arbeit entstehen und gedeihen, enthüllen wir Defizite des Systems.

„Schau, Arbeitslügenbefürworter!“ droht gleichsam unsere Werbung, „schau wie glücklich die von uns dargestellten Menschen sind! Hättest du das auch gern? Zu dumm, denn wenn du (zuviel) arbeitest bekommst du das nicht!“

LOVE – Gammeln ist zeitlos

Hackln is Oasch!

Krzysztof Brązowy
Minister für Denunziation und Demagogie

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