Betrachtungen eines Demagogen: Der Zauberlehrling Gernot Blümel – Scheinarbeit um jeden Preis?

Neue Entwicklungen in der Causa Blümel

Es war ein zähes Ringen, das sich zwischen der Wiener ÖVP und unserer Sekretärin Susanne Messerschmidt in den vergangenen Wochen abgespielt hat.

Vor kurzem ist es ihr jedoch gelungen, zu Gernot Blümel, Chef der Wiener ÖVP, in seinem Elfenbeinturm vorzudringen und ihn zu einer Antwort auf unser Schreiben zu bewegen. Es hat nur knapp einen Monat gedauert.

So sehr wir vom Verein F.A.u.L. diese lobenswerte Zurschaustellung von Arbeitsunwilligkeit auch zu schätzen wissen, hätten wir doch gern früher eine Stellungnahme oder besser noch, Kontakt mit Herrn Blümel gehabt, um ihn auf diesem Wege von unseren Einsichten, Ansichten und Ratschlägen profitieren zu lassen.

Unser gutgemeinter Rat an den Wiener ÖVP-Chef ist, kurzum, er möge doch in der Wahl seiner AUM* etwas geschmackvoller vorgehen und dabei eine der Grundregeln der Ethik beachten: So lobenswert die Absicht der Arbeitsvermeidung bzw. Arbeitsverringerung, in seinem Fall die billige Selbstinszenierung als Sicherer der Grenzen, als budgetbesorgter Wirtschaftskompetenzler, als Taschenalarme an Geheimratswitwen verteilender neuer, starker Mann auch sein mag, gilt es doch, die Auswirkungen dieser Handlung auf andere, auf das soziale Gefüge zu beachten.

Neidgefühle und Xenophobie zu propagieren und gezielt sozial Schwache zu attackieren ist eine geschmacklose Form der AUM

(Wir erinnern uns: Herr Blümel hat mit seinem Sager auf Twitter, die Mindestsicherung gehöre in Wien abgeschafft, weil sie ein „Zuwanderungsmagnet“ sei, den Unwillen des Propheten auf sich gezogen.) Der Herr Blümel wusste damals sehr genau, was er tat, als er das Thema Zuwanderung mit dem Thema Mindestsicherung in Verbindung gebracht hat. „Ich singe das alte Lied. Das, wo sich ein Haufen schmarotzender Proletarier mit einer ominösen Masse an „Zuwanderern“ um das Wenige an Sozialleistungen zu streiten hat, das wir ihnen zugestehen“, hat er gedacht, „das macht nicht viel Arbeit, schaut aber aus, als ob ich arbeite.“

Ein Klassenkämpfer also, der junge Mann! Blümel wusste auch genau, was er tat, als er vor einiger Zeit am Praterstern Taschenalarme verteilt hat, nämlich die Leute, die dort friedlich und gemütlich ihren Tätigkeiten und Geschäften nachgehen oder es vorziehen, dort ihr gottgegebenes Recht auf Gammeln wahrzunehmen, als Bedrohung für Leib und Leben der „braven“ Passanten zu stilisieren.

„Die ich rief, die Gammler, werd ich nun nicht los!“

Die Geschichte vom Zauberlehrling scheint auf den ersten Blick sehr im Sinne unserer Bewegung: Um die unliebsame Arbeit, die ihm sein Meister aufgetragen hat, schneller und vor allem leichter erledigen zu können, spielt ein leichtsinniges Kind mit Mächten, die es nicht versteht, mit schwarzer Magie, sozusagen, und verursacht so beinahe eine Katastrophe.

Gernot Blümel erinnert mich, wann immer er mit dem Rechtspopulismus liebäugelt (das ist offenbar jedesmal der Fall, wenn er sich zur Scheinarbeit verpflichtet fühlt) an diesen Zauberlehrling. Freilich, es sich leicht machen zu wollen, sich mit dem Anschein von Arbeit eher anfreunden zu können als mit tatsächlicher Arbeit, ist eine Tugend, aber langfristig auch keine Lösung.

Wie ist nun weiter mit dem Wiener ÖVP-Chef zu verfahren? Ich habe lange darüber nachgedacht und habe mich auch mit unserem Vereinsrechtskonservativen, Siegfried Rosenkranz, darüber beraten, weil der sich mit Hypermasculinity und dergleichen, wie sie von politischen Upstarts immer auszugehen scheint, gut auskennt.

„Er will also den Starken mimen?“ fragte Rosenkranz als ich ihn über die Causa Blümel gebrieft hatte und mich erkundigte, wie mit einem rechtskonservativen Gammler im closet umzugehen sei, der sich den sozialen Frieden gefährden als AUM ausgesucht hat. „Dann ist die Sachlage klar, Brazowy“, sagte er mir. „Wir werden die uralte Sitte des Gammler-Benefizboxens wieder hochleben lassen. Wenn ein Schwächling wie du ihn besiegen kann, wird es Herrn Blümel unmöglich sein, in Zukunft den starken Mann zu mimen, der das teutsche Volk vor Ausländern, Sandlern und Sozialschmarotzern beschirmt und er muss sich eine andere, weniger schändliche AUM suchen.“

Die Lösung: Gammler-Benefizboxen

Nun gut, dann also ein Boxkampf, dachte ich mir. Der deutsche Dichterfürst hat wahrscheinlich Recht mit dem, was er sagt. Vielleicht macht uns das sogar Spaß. Den Erlös einer solchen Benefizversanstaltung könnte man aufteilen: Eine Hälfte an eine karitative Einrichtung seiner Wahl und die andere Hälfte an die Vereinskasse für den Kampf gegen die Arbeitslüge wäre beispielsweise denkbar. Eine entsprechende Einladung (zum Gammler-Benefizboxen) wird Herrn Blümel jedenfalls in naher Zukunft zugestellt werden. Sollte er ablehnen, einen verweichlichten alten Gammler wie mich für einen guten Zweck im Ring zu bestehen ist, zumindest in der Gammler-Community, sein Ruf als junger, starker Hipster-Strache der bürgerlichen Rechten ebenso dahin.

Wir halten Sie, meine Damen und Herren Gammler, selbstverständlich gern weiter auf dem Laufenden.

Krzysztof Brązowy
Minister für Denunziation und Demagogie

 

 

*ArbeitsUmgehungsMaßnahmen

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