Betrachtungen eines Demagogen: Es ist vollbracht!

Foto von Christian Jungwirth via Wikimedia Commons, modifiziert und erweitert um Brązowy von Gammlern des Vereins F.A.u.L.

Am Mittwoch, dem 11.01.2017 hat im ORF-Zentrum ein Treffen zwischen B. Karlich, Talkshow-ModeratorIn, und dem Leiter des Ministeriums, K. Brązowy, Propagandaminister, stattgefunden. Wie berichtet hatte ich auf Anraten unseres Kulturbeauftragten und glühenden Karlich-Verehrers, Siegfried Rosenkranz, für die „teutsche Oprah“ eine Ausnahme von unserer „keine mainstream-media“-policy gemacht und war ihrer Einladung gefolgt.

Das Medium ist bekanntermaßen die Botschaft. Ich hatte deshalb, wie ich meine, berechtigte Zweifel, die Darstellung meiner Person und vor allem der Anliegen unserer Bewegung in fremde Hände zu legen. Noch dazu in die Hände eines Massenbetriebs (und Sprachrohr des arbeitsnormativen Systems), des öffentlich rechtlichen Fernsehens.

Dass es ein Massenbetrieb ist, wurde mir und meinen Begleitern schon vom ersten Augenblick an offenbar: Drei Sendungen hintereinander sind an diesem Tag aufgezeichnet worden!

VIP-Gefolgsgammler machen es sich in der vordersten Reihe bequem.

Die Gefolgsgammler machen es sich in den Vorderreihen bequem.

So sehr die Moderatorin sich auch gewünscht hätte, mich näher kennen zu lernen und meinen Ausführungen zu lauschen, es hätte dazu schlichtweg die Zeit gefehlt. „Fließbandarbeit“ ist die gepflegteste Bezeichnung, die mir dazu einfällt.

Die Ausgabe, in der ich aufzutreten geruhte, trägt den Titel: „Wer Erfolg haben will, darf keine Schwäche zeigen“ und war, für mich wenig überraschend, auf die Inszenierung eines Gegensatzes, eines Antagonismus, zwischen Leistungsmensch und Gammler hin gescriptet.

„Nun gut“ dachte ich mir. „Das macht die Sache einfach.“

Wer nämlich den Mythos „Leistung“ und das traurige Märchen „Karriere“ verkörpern möchte, der verkörpert damit nichts als schnöden Materialismus, Eigennutz und ein Lebenskonzept, das Ausbeutung sowie Ressourcen- und Zeitverschwendung weit mehr begünstigt als Selbstkultivierung, individuelles Glücksempfinden und sozialen Zusammenhalt. War zu ahnen, dass einem dafür nicht die Herzen aller zufliegen würden?

Brązowy & ein anonymer Leistungsträger
Brązowy & ein anonymer Leistungsträger

Der Antagonist

Scheinbar nicht für meinen Antagonisten, der zuerst vorgestellt wurde. Stolz hat er mit seinem happy consumerism und dem Erwerb teurer Luxusgüter geprahlt. Die Arbeitslüge selbst hätte, wäre sie an seiner Statt dort gewesen um ihre Sache zu vertreten, nicht unsympathischer gewirkt. Und doch schien der arme Verblendete für seine Definition von Erfolg/Stärke Zuspruch erwartet zu haben. Er hat dabei den gesunden Menschenverstand der ModeratorIn und ihres Publikums unterschätzt. Wie gesagt, ich hatte leichtes Spiel.

Ich hätte den zu Dekonstruierenden warnen können: „Im Gegensatz zu Ihnen, guter Mann“ hätte ich ihm sagen können, „betrete ich diese Menagerie, diese Freakshow, nicht, um mich vor meiner Frau und meinen Freunden in Szene zu setzen. (Wenn ich darauf Lust habe, crashe ich eine Parteiveranstaltung oder halte eine Lesung in einem versifften Lokal ab). Ich bin hier um die Würde bzw. die moralische und intellektuelle Überlegenheit meiner Ideologie (Hackln is oasch) zu vertreten.

Nicht ich werde in dieser Inszenierung Ihr Gegenpart, Ihr Gegner sein, nicht mir werden die Leute ihre Sympathie, ihre Zustimmung und ihren Beifall spenden, sondern den Anliegen des Vereins F.A.u.L. und der Gammlerbewegung!“

Die Warnung wäre vermutlich auf taube Ohren gestoßen. Es kam wie es kommen musste.

Ob das Publikum die Konfrontation zwischen dem Demagogen des Propheten und dem „Leistungsträger“ für interessant bzw. unterhaltsam befunden hat?

Offenbar, denn man hat den Gästen, die nach uns aufgetreten sind, nicht gerade üppig viel Zeit eingeräumt.

Schutz und Hilfe

Allen außer einer: Sabrina Grillitsch, Berufssoldatin, Bergsteigerin und Extremsportlerin, die vor einiger Zeit eine Wanderung durch die Antarktis (im Rahmen eines Teamwettkampfes Österreich VS Deutschland) absolviert hat (aus dem das österreichische Team, wie ich erfahren habe, siegreich hervor gegangen ist), hat mir und den anderen Gästen die Show gestohlen, und das zurecht!

Brązowy: „Ich glaub, die interviewe ich als nächstes.“

Frau Grillitsch verkörpert, meiner Ansicht nach, Alphagammlertum der gediegensten Sorte.

Nachdem sie von ihrer Arktiswanderung berichtet hatte, hat niemand im Studio mehr den Fehler begangen, Erfolg und Stärke (ausschließlich) auf die so genannte „Arbeitswelt“ zu beziehen, sondern realisiert, dass diese oftmals gerade abseits von Lohnarbeit zu finden sind.

Diesen Umstand darzulegen hätte mich ansonsten einiges an Mühe gekostet.

Dass Frau Grillitsch mit ihrer Berufswahl in eine Männerdomäne eingedrungen ist wurde meiner Meinung nach überbetont. Schließlich ist ja auch das Eindringen in klassische Männerdomänen abseits der beruflichen Tätigkeit vorstellbar.

Schlusswort des Experten

Das Schlusswort hat bei Karlich übrigens ein so genannter „Experte“. In diesem Fall war das ein Kulturwissenschaftler und Psychologe mit dem ich vor der Sendung das Vergnügen hatte ein wenig zu plaudern. Gar nicht ungebildet und äußerst sympathisch hat sich der gute Mann trotzdem eine Fehleinschätzung zu Schulden kommen lassen. Auf die Frage der ModeratorIn hin, ob ich durch mein Verhalten und meine Einstellung nicht eigentlich auf einer philosophisch höheren Ebene operieren würde als der Rest ihrer Gäste meinte dieser: „Nein, nicht höher sondern eher parallell“.

Dabei hätte die Antwort lauten müssen: „Natürlich, er ist ein Alphagammler!“(Deshalb meine Skepsis gegenüber den mainstream-Wissenschaften).

Der Rest seines Resümees war dann hingegen in Ordnung denke ich: Die Menschen, die sich am intensivsten mit ihren Schwächen auseinander setzen seien in der Regel starke, intelligente Menschen, die auf hohem Niveu performen. Gerade jene seien immer weniger bereit, in dem selben Ausmaß für die Arbeit zu leben wie das bei den Eltern und Großeltern der Fall war.

„Sehr richtig“ sag ich da nur. Ein guter Trend.

Der Rosenkranz wird sicher fragen, wie ich die Karlich als Mensch empfunden habe. „Ach Siegfried“ werd ich ihm antworten, „das kann ich dir nicht sagen, denn die Arbeit lässt bekanntermaßen wenig Raum und Zeit für menschliche Begegnungen.“

Dass sie charmant und charismatisch zu sein scheint wird er wohl selber wissen, schließlich schaut er ja unentwegt ihre Sendung.

Des Weiteren denke ich, dass in ihr eine Journalistin schlummert, die durchaus fähig wäre, die unruhigen Gewässer gesellschaftspolitisch relevanter Themen zu befahren ohne dabei in Seenot zu geraten. (Aber Politik scheut man in dieser Sendung wie der Gammler die Lohnarbeit.)

„Ob man die geschickten Hände einer Chirurgin hat, ist im Übrigen nicht relevant wenn man als Fleischhackerin arbeitet“ werde ich ihm sagen, „die Tag für Tag am Fließband aus menschlichen Gefühlen, Lebenskonzepten, Hoffnungen und Träumen billige Extrawurst herstellt.“ Der Siegfried hatte Glück, dass ich sie besucht habe und nicht er, denn wer gerne Hot Dogs isst, sollte nicht mit ansehen müssen wie sie gemacht werden.

Ausstrahlungstermin der Sendung wird der 16. März 2017 sein. Ich werde Sie, verehrte Leserschaft, rechtzeitig daran erinnern.

Krzysztof Brązowy

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