Die Ehr‘ verlangt’s, die Ehr‘ bekommt’s

Âventiuren wider die Arbeit - Teil 8

Lange zog ich durch die Lande
Lange suchte ich vergebens.

Wohin ich kam, bedrückte mich
dass wieviel ich auch bisher gereist
und alles Volk befragte
nicht ein Hauch vom Schatten
eines Hinweises gefunden ward
wie die Arbeit zu besiegen sei.

So kam ich nach und nach
wie ich so ritt und reiste
aus den Gütern des Barons
in eine öde, stein’ge Weite
wo sich ganz unvermittelt
die erhoffte Kunde fand.

Dort, wo der Weg zu beiden Seiten
von Geröll und Steinen eingeschlossen
unter mir in jähen Biegungen
sich senkte, stieg und wand
wie es sonst Frau Winter tut
wenn sie mir ein Schäferstündchen schenkt.

„Wie zum Hinterhalt geschaffen
ist jenes Weges Biegung dort
genau an dieser Stelle
wo ein besonders großer Stein
umrankt von dorn’gen Büschen
dem Reisenden die Aussicht hemmt,“
dacht ich mir wie ich so ritt
und meine Blicke schweifen ließ.

Da lag ein Mann im Straßenstaub
wie um mir recht zu geben
gerüstet, angetan mit Schwert und Schild
ein prächt’ges Pferd daneben,
dem Anschein nach ein Rittersmann,
drei Pfeile steckten ihm im Leib,
todwund, dem Tode näher als dem Leben.

Obschon er nicht zu retten war,
zu lange lag er schon so da,
zu tief warn seine Wunden
eilt ich hin und sah nach ihm.

Die Ehr verlangts
die Ehr bekommts!
Das gilt für mich, das galt für ihn
drum lief ich eilig zu ihm hin.

Der Ritter war sehr jung und starb
ohne Furcht und Zagen
„Herre“ sprach er noch zu mir
„kommt doch bitte näher her
ich muss euch etwas sagen“:

Herr Ritter, bitte lasst mich nicht
aus diesem Leben scheiden
ohne euch zuvor mein Leiden
den Anlass meiner allzu kurzen Âventiur
und meine traurige Geschicht
gebührend zu beklagen:

Ich konnt und kann
seit Kindertagen
die Arbeit nur sehr schwer ertragen
ich war und bin –
obzwar von Adel,
weder Bauer weder Knecht
und darum kaum jemals im Leben
harter Arbeit ausgesetzt –
der Arbeit Feind und werd es immer sein,
wenngleich ich hier im Sterben lieg.

Ihr seid hier fremd und wissts wohl nicht
es gibt hier eine Sage,
die von einem König spricht,
der obschon ungetaufter Heide
viel frommer ist als jeder Christ.
Man sagt, der hätt in seinem Land
alle Arbeit, wofern sie nicht nötig ist, gebannt
und niemand, der dort lebt, musst je
wenn er nicht wollt, nur einen Finger rührn.

Des weiteren erzählt man sich
dass dieser weise König,
Bez genannt,
auf seinem angestammten Thron
in seinem angestammten Land
sitztend eines Ritters harrt,
vorher kann er nicht sterben,
der seines Amtes würdig,
doch nur wer reinen Herzens
und ohne jeden Willen
sich oder anderen über die Gebühr
Arbeit aufzulasten ist,
kann ihn beerben.

Der wird Gammlerkönig
und erlöst, so sagt man sich,
den alten Bez in Würden
von Gammlerkönigs Amtes Bürden.

Ich musste schon von Kindesbeinen
wenn ich die Mär vernahm
den armen König Bez beweinen
wie er nicht sagen kann und will
„tut dies und das und ferner jenes“
nach Herrscher Art und doch
wider die Arbeit streiten soll.

In seine Dienste wollt ich treten,
Rat und Weisheit bei ihm suchen,
ich wollt sein Ritter sein und mit der Zeit,
mit seinem Segen
für ihn walten und regieren,
dass wenigstens ein Land auf Erden
weiter frei sein kann und doch
König Bez der arme Mann
nach langen Mühn Erlösung fände,
wollt an seiner statt darüber wachen,
dass im Diesseits nicht
die schnöde Lüge
Arbeit wäre eine Pflicht
ganz und gar obsiege.

Jetzt lieg ich hier im Straßenstaub
und wollt doch Gammlerkönig werden,
muss unrühmlich, jammervoll
von eines gut versteckten Bogenschützen Händen
hinterrücks ermordet enden
kaum dass ich aufgebrochen bin.

So mancher der vor mir
nicht weise Vorsicht walten ließ
kam, wähn ich, billiger davon
als ich, der Ritter Exposythion!“

So sprach der Sterbende
in seinem jammervollen Klagen
und ich erwog und dacht bei mir
„was könnt‘ ich ihn noch fragen,
was meiner Sache nützt,
die auch seine Sache war?“
Auch wollte ich ihn trösten.

Doch das Erbleichen seiner Miene
das Erlöschen seiner Augen
zwangen mich zur Eile
um nicht die allzu kurze Weile,
die Exposythion noch blieb
an Trost und Zuspruch zu vergeuden.

„Sagt mir noch, bevor Ihr sterbt“
sprach ich zu dem Knaben.
„Habt Ihr noch einen letzten Wunsch
oder gar noch mehr zu sagen?
Eure Âventiure war nicht so umsonst
und euer Beitrag war nicht so gering
wie Ihr wohl denkt.
Ich wähne nicht der blinde Zufall
sondern Schicksals Fügung
führte uns an jenes Weges Biegung,
denn auch ich bin ausgezogen
um die Arbeit zu besiegen!

Und sagt mir auch wenn Ihr es wisst
wie heißt das Reich von König Bez
und wie es zu erreichen ist.
ich will an Eurer statt
versuchen, es zu finden.“

„Das Reich heißt Gammelot und ist
durch List und Zauberei verborgen,
der König Bez hält es derart geschützt
von Feinden und von Sorgen.
Doch lebt in einer Höhle tief im Wald,
den Ihr drei Tagesreisen Richtung Norden findet
ein Einsiedler, von dem man sagt,
es hätte ihn auf Pilgerfahrt
einmal dorthin verschlagen.

Zu dem war ich unterwegs
um zu erfragen
ob er nicht wüsst und mir verrät
wie es zu erreichen ist.

Ich scheid, mein Herr, bleibt noch zu sagen,
glücklich in dem Wissen,
dass meine Âventiure,
dass meiner Wünsche Ziel
dem Eur’gen nützen mag
und hab Euch treulich
was ich weiß gesagt
und nichts dabei verschwiegen.
Mein Herr, nun muss ich fragen,
denn gute Sitten soll man
bis zum Ende pflegen,
wem mein Dank zu gelten hat?“

„Ich bin Siegfried Rosenkranz“
sprach ich und ferner: „Exposythion willst Du
gar nichts für Dich?
ich tu es gern und Du
hast mir so treulich meinen Weg gewiesen.“

„Herr Rosenkranz der Dichterfürst,
die Zierde aller Ritterschaft?
Ich habe wohl von Euch gehört
und verstehe nun weshalb
mein Schicksal Eurem dienen soll.
Nun wag ichs gerne
meinen Wunsch zu äußern:
Herr Rosenkranz, ich wüsst selbst nicht
wie mein Mörder auszuforschen
und mein Tod zu rächen ist,
doch wenn Ihr’s könnt
und mir vergönnt,
so bitt‘ ich Euch darum.“

„Mein Wort darauf ich find ihn schon“
versprach ich Exposythion.
Der vernahm’s und starb in Frieden.

 

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