Gottgefällige Arbeit – ein Widerspruch

An die Gläubigen!

In dieser Enzyklika will ich auf die Frage eingehen, ob es so etwas wie „gottgefällige Arbeit“ im Diesseits geben kann.

Der streng Gläubige wird an dieser Stelle wohl sofort entsetzt den Kopf schütteln, sich auf die alte Lehre berufend: „Wenn eine Tätigkeit mit Freuden verrichtet wird, so kann es keine Arbeit sein und wenn es eine Arbeit ist, so kann sie keine Freude bereiten*.“ So steht es geschrieben, so ist es würdig und recht!

Dennoch werde ich von Zweiflern, die meinen Scharfsinn in der Auslegung der heiligen Schriften prüfen wollen, immer wieder mit Fragen zur sogenannten „gottgefälligen Arbeit“ bestürmt. Immer ausgefallener wird die Liste der Tätigkeiten, für deren Ausübung Lebenszeit gegen Mammon getauscht wird. Die Zweifler tun dies in dem Bestreben, mir das Wort im Mund zu verdrehen:  Wenn sie leichte, gut bezahlte Tätigkeiten schildern, mit denen sie ihr Leben fristen können, auf dass ich diese dann als „gottgefällig“ preisen möge. So auch dieser junge Mann:

„Sehr geehrter Prophet Madras Bez, um dessen Willen niemals jemand zuviel gearbeitet hat!

Meine Aufgabe ist es, als lebender Ersatz für eine Statue herzuhalten, die zu Bruch gegangen ist. Wenige Stunden des täglichen Herumstehens sichern mir so mit Leichtigkeit meinen Lebensunterhalt. Gibt es sie etwa doch, die Arbeit, die frei von Sünde ist?

Mit besten Grüßen
WB“

Kann Herumlungern Sünde sein?

Zur Beantwortung ziehe ich wiederum die heiligen Schriften im Evangelium nach Esteban heran:

„Sehet, die die da nachgehen den leichten Tätigkeiten. Sie wähnen sich näher beim Herrn und blicken herab auf diejenigen, die ihren Lebensunterhalt mit schweißtreibender Arbeit verdingen.

In Wahrheit sind jene Arbeiten, die ohne Widerstand verrichtet werden, die größere Sünde. Denn Gott, der Herr, sieht es lieber, dass die Menschen gerade soviel arbeiten wie nötig und sich jeder weiteren Arbeit verwehren. Er sieht dies lieber, als dass sie zusätzliche Arbeit schaffen, die ohne Notwendigkeit ist und sich dieser Arbeit mit Gleichmut ergeben. Es ist der tägliche Kampf gegen die Arbeit, der den Menschen adelt, nicht die Ergebenheit der Arbeit gegenüber!“

Gläubige, so steht es geschrieben. Wer unter uns würde daran zweifeln? Ich sage euch, die Arbeit ist die Ursünde, der Verursacher allen Übels auf der Welt! Und doch ist die Arbeit das Los des Menschen. Es ist verständlich, dass Brüder und Schwester im Glauben nach meiner Billigung ihrer Arbeit streben – nach einer göttlichen Botschaft, die ihre Arbeit duldet oder gar gutheißt. Aber so etwas kann und wird es niemals geben, wie leicht diese auch sein mag!

Jeder Gläubige muss bereit sein, sich jeden Tag aufs Neue diese eine Frage zu stellen und sie sich aufrichtig beantworten:

„Bin ich willens, meiner Tätigkeit auch weiterhin nachzugehen, wenn ich dafür nicht mehr entlohnt werde?“

Lautet die Antwort „Nein“, so ist diese Tätigkeit eine Arbeit und kann daher nicht gottgefällig sein. Sie ist sündvoll und führt bei (übermäßiger) Verrichtung ins Verderben.

Gläubige! Ich sage euch: Entsagt der Arbeit wo ihr sie auch antrefft und wie leicht sie auch sein mag, um so dem Leben einen möglichst großen Anteil an Untätigkeit abzuringen. Nur das ist wahrhaft gottgefällig!

Madras Bez

*siehe Evangelium nach Esteban, Buch „Arbeitserkenntnis“, Kapitel „Die Knechtschaft des Geistes“

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