Faulheit und Nichtarbeit

Ein Ringen um Begriffe

Arbeit. Ein Unwort unter vielen. Unsere Wertung des Begriffs steht gegen die gesellschaftliche Konvention. Konvention erzeugt Vorurteile, von denen wir uns zunächst frei machen müssen, um zu verstehen, was wir eigentlich meinen, wenn wir „Arbeit“ sagen und was naivere Zeitgenossen, die nicht sofort an „Wahrnehmung“ denken, wenn sie „Realität“ hören, denen ein Produkt aus Konvention und Wahrnehmung als etwas Fixiertes, allgemein Verbindliches, ja als etwas Naturgegebenes gilt, unter Arbeit verstehen mögen. Der Begriff gehört sozusagen entleert und gesäubert, um von uns neu angefüllt und reevaluiert, ja vielleicht sogar umgedeutet werden zu können.

Sucht man beispielsweise nach einem Begriff, der das Gegenteil von Arbeit bezeichnet, wird der Mangel offenkundig: „Arbeitslosigkeit“ kann es nicht sein, denn diese wird im arbeitsnormativen System als vorübergehend verstanden und impliziert die aktive Suche nach Arbeit. Die behelfsmäßige Wortkonstruktion der „Nicht-Arbeit“ mag vorerst genügen. Worte sind tückisch und können falsch aufgefasst werden.

Das bringt mich zum eigentlichen Thema des Artikels: Warum der Begriff „Faulheit“ in diesem Kontext, als Gegenbegriff zur „Arbeit“ abzulehnen ist. Zumindest aus einer linguistischen Perspektive.

Faulheit ist eine Charaktereigenschaft. Dem einen mag sie lobenswert und (ja, auch solche Mitglieder haben wir) gottgewollt erscheinen, andere wiederum mögen sie nicht in dem Ausmaß als charakterliche Qualität empfinden. Das ist Geschmackssache. Wichtig ist hierbei: Faulheit als Charaktereigenschaft schützt nicht automatisch vor der ideologischen Verblendung im arbeitsnormativen Wertegefüge.

Umgekehrt gibt es durchaus aktive, fleißige, auch disziplinierte Menschen, die hackeln oasch finden, weil sie nicht an das Konzept der ideologischen Überhöhung der (Lohn)arbeit glauben. Eine Charaktereigenschaft ist keine Überzeugung. Es kann nicht das Ziel einer Anti-Arbeits-Bewegung sein, überwiegend oder gar ausschließlich solche Menschen ansprechen zu wollen, die einen bequemen, ruhigen Lebenswandel pflegen und schätzen, Betätigung jeder Art grundsätzlich als anstrengend und unliebsam empfinden und am liebsten gar nichts tun. Zwar werden sich in unseren Reihen einige finden, die so denken und das ist auch gut so, doch müssen auch andere charakterliche Eigenschaften bzw. Lebensauffassungen als zulässig betrachtet werden. Auch sie haben ein Recht auf die Nichtarbeit als Ideologie.

Fakt ist, dass (Lohn)arbeit so weit wie möglich zu meiden uns freimacht für weitaus lohnendere, bedeutsamere und entspannendere Tätigkeiten. Das gilt für faule und für fleißige Menschen gleichermaßen. Das Konzept von „Fleiß“ ist nur eines unter vielen, die fast gänzlich von der Arbeitslüge assimiliert und vereeinnahmt erscheinen.

„Persönliche Weiterentwicklung“ gehört nicht exklusiv in den Bereich der „Arbeitswelt“ (noch so ein Unwort)! Ebensowenig „soziale Anerkennung“ oder das Gefühl, etwas vollbracht zu haben. Vieles, was für uns kaum noch anders als im Verbund mit der Arbeit vorstellbar erscheint, ist nicht zwingend Produkt des „Arbeitslebens“. Was soll das für ein Leben sein? Ein scheinbar naturgegebenes ist die traurige Antwort. Nehmen wir zum Beispiel die soziale Interaktion, hier verstanden als menschliches Grundbedürfnis und Teil der menschlichen Existenz. Natürlich bilden Menschen, die man über ein Drittel ihres Tages und das fünf Tage die Woche (und das ihr gesamtes Leben als Erwachsene hindurch!) in Büroräumen oder sonstwo absitzen lässt, dort soziale Strukturen und performen quasisoziale Interaktion. Das handhaben Gefängnisinsassen, ja selbst Ratten in Käfigen ganz genauso: Das Umfeld wertet das Bedürfnis weder auf noch ab und es ist auch nicht bloß dort ein Bedürfnis. Was hier sinnentleerten, doktringetreuen Arbeitseiferern wie naturgegeben erscheint, der Arbeitsrhythmus als Rhythmus des Lebens, Bürofreundschaften und Büroflirt als evolutionäre Mechanismen, Partnerwahl und bonding, mögen sich anfühlen wie „Natur“, sind aber selbstverständlich Menschenwerk – kulturgestiftete und kulturstiftende Behelfsrealitäten.

Zur scheinbaren Naturgegebenheit noch ein Schlusswort: So werden ideologische Konstrukte mit dem Anspruch auf Allgemeinverbindlichkeit, darunter oft sehr gefährliche wie die „gottgewollte Ordnung“, der Begriff der „Nation“ oder eben die Arbeit verstanden. Frei nach dem Motto „Wenn man eine Lüge nur oft und gut genug erzählt, wird sie wahr“. „Monogamie“, „Familie“, ausufernder Fleischkonsum – es gibt deren viele und alle sind sie äußerst kritikwürdig. Das Problem hierbei ist jedoch, dass eine Doktrin (und sei sie auch noch so haltlos und unsagbar dumm), hat sie erst einmal ein derart hohes Maß an Verbindlichkeit erreicht, Tabus um sich errichtet: Der Kritiker wird automatisch zum Nestbeschmutzer, Ketzer, Ordnungsstörer. Gesellschaften stellen stets ein Set an sichtbaren und unsichtbaren, mehr oder weniger strengen Strafmaßnahmen für Kritiker (Tabubrecher) bereit. Das kann, je nach Gesellschaft, von vorwurfsvollen Blicken bis hin zur öffentlichen Steinigung reichen.

Das Ringen um Begriffe ist somit ein doppeltes: Einerseits müssen Worte gefunden werden, die unsere Empfindungen und Ansichten möglichst frei von Missverständnissen kommunizieren, schließlich gibt es noch nicht einmal eine Bezeichnung für Leute wie uns, die sich der Arbeit aus welchen Gründen auch immer enthalten wollen (ohne dabei zwingend überdurchschnittlich faul sein zu müssen), andererseits ist es notwendig, dem Diskurs Arbeit das eine oder andere Wort zu entwinden.

7 Kommentare zu Faulheit und Nichtarbeit

  1. hey ziegenmann- kein stress wegen dem familienkonzept- wenns weiter nichts ist…
    solange wir finden, dass sich leute heutzutage zuviel aus ihrer bezahlten erwerbstätigkeit machen überwiegen die gemeinsamkeiten die unterschiede…philosophie kämpft manchmal mit harten bandagen und rundumschläge treffen hie und da unbeabsichtigt konzepte, die leuten am herzen liegen. daran ist nichts verkehrt,mate. danke für dein feedback. hackln is oasch!

  2. @Johnny Arbeitsverweigerer auch falls ich schwul wäre und mich nach kleinen Bobos sehnen würde, sollte das kein Problem sein im 21 jhd., aber ich find nett dass du es so betonst. Arroganter Spast und homophop

    @PAK der Typ der Kinder gefickt hat heisst Otto Mühl und ja auch er war so ein „kritischer“ Typ, die Kinder hatten danach alle Dachschaden. Die Familie ist von Natur aus gegebene Sache, sicher nicht das Beste, aber was Besseres wurde nicht erfunden, und man sollte auch nichts erfinden. Kannst ruhig mit Hitler und Strache kommen, aber die Typen sind mir egal, aber man muss ab und zu einfach nein sagen und das ist so ein Fall.

    Was deine Arbeitshaltung betrifft – finde ich voll gut den Artikel. Ich arbeite auch nicht immer, nehme mir Zeit zum chillen also ich seh das genau so wie du, hab auch diesbezüglich nix gesagt.
    Das mit dem Bobo musst du mir verzeihen, aber man hört halt solche Rhetoriken von so Richkiddies die auf arm machen..

  3. die im letzten absatz des textes angesprochene bezeichnung für arbeitsunwillige, die nicht einfach „nur faul“ sind sondern sich der arbeit aus anderen(ideologischen vorbehalten oder alternativen lebenskonzepten)gründen soweit wie mölich enthalten ist übrigens
    (Alpha)Gammler.
    hat sich so ergeben und weitestgehend durchgesetzt

  4. Jetzt mal Ruhe bei de butterten Fisch! Es geht hier nicht darum Kinder in überideologische Zurechtbiegezentren hineinzupferechen. Es geht darum (in diesem Fall) das Kosntrukt Arbeit und Familien zu durchschauen, zu durchbrechen und schließlich neu zu ordnen.
    Was ist denn falsch an polyamorösen WGs? Zwei Müttern? Ein alleinerziehender Vater? Waisenhäuser? All das sind Gebilde die sehr wohl Familie sind, aber eben nicht Familie im herkömmlichen, indoktrinierten und konservativen Sinne!
    Und der Schaden der Kinder? Ich glaube nicht das alle Kinder aus der klassischen drei- oder vierköpfigen Vater-Mutter Familie ungeschädigt sind – als Beispiel präsentiere ich dir den Lieblingsfeind der Menschheit: Adolf Hitler!
    Warum dieses Beispiel? Die Frage werfe ich gerne zurück – welchen zweck verfolgst du mit deinem Beispiel einer kinderfickenden Künstler WG; all das ohne Quellenangaben? Ich meine, eh natürlich, wo Fakten fehlen da sollen Emotionen nachhelfen, aber wir sind hier nicht die Facebookseite vom HC Strache, mein Lieber.
    Und es gibt hier nicht um pure Arbeitsverweigerung. Das ist, gelinde gesagt, ein kleiner Fisch im Vergleich zu dem Mehr und Meer an Ideen, Wünschen und Visionen hinter hackln-is-oasch.
    Wer gerne auf der Baustelle lebt, am Fließband arbeitet, Flyer verteilt, Klos putzt und weitere undankbare Jobs macht; all das für einen geringen Sold – der werfe den ersten Stein, eingewickelt in Geldscheinen und Beschimpfungen. Bis dahin ist das Ziel, jedem Menschen wieder eine gerechte Vergütung zu geben, unabhängig von seiner Tätigkeit. Es soll das Leben wieder lebenswert werden, und eben dem Leben wieder einen Wert geben – und nicht der Arbeit oder der Hackn. Es muss, in einer Zeit in der die Technologie uns immer mehr Arbeit abnimmt, möglich sein, nicht mehr nur für das Brot am nächsten Tag kämpfen zu müssen, sondern sich auch mal mit etwas zu beschäftigen was dich im Inneren bewegt! Die Stigmation von Arbeitslosen und das Ausfüllen des Lebens mit Arbeit muss enden, und die Suche nach Berufung muss beginnen – all das ohne die Existenzängste die heute auch Familien ausseinander reißen, Bildung verhindern und Panik schüren – und grad die letzten drei Punkte habe ich hautnah erlebt.
    Hackln is oasch!
    Picks da aufs Hirn, red mit Leuten und hör hin, wie die sich die Seele ausm Arsch scheißen, weil sie nicht über die Runden kommen und ihren Kindern nicht das bieten können was sie gerne hätten – und das ist nicht eine PS4; es sit Bildung, es sind soziale Kontakte, es sind warme Wintersachen, es ist eben auch: Familie.

    Wenn du das nicht verstehst, dann kann dir keiner mehr helfen, dann hat dich die Schleimkrake der Arbeitswelt bereits so sehr im Griff, und dann gratuliere ich dir herzlich – denn du sitzt auf einem Thron der im Sumpf versinkt und teilst dir den Platz mit Schlamm.

  5. Ach, bitte, eigentlich hab ich den Text ganz gerne gelesen, doch dann kamm „Familie … äußerst kritikwürdig“ … Bitte was? Wo sollten Kinder sonst aufwachsen? In staatlichen Kinderkasernen? In polyamorischen WGs?? Hats da mal nicht so einen Österreicher gegeben, der so ne Künstler-Commune gegründet hat wo Kinder gefickt wurden um sie zu
    erziehen und danach waren voll
    geschädigt?? Lass mal die Familie
    in Ruhe, da darf man nicht experementieren, weil der Schaden, den die Kinder
    abkriegen könnten, ist nicht
    kalkulierbar

    zum restlichen Artikel kann ich
    ganz einfach sagen, ihr habt kein
    Bock zu hackeln? Dann hackelt
    eben nicht, keiner zwingt euch, dazu muss ich sagen dass nur die Priviligierten sich die Zeit nehmen können nix zu hackel n und den ganzen Tag herumphilosophieren
    und ja erzählt mir nicht wie arm ihr doch seid, den kleinen Bobo kann ich von hier aus riechen

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