Von Polizisten, Linken, Gammlern und Faschisten

Ein Tatsachenbericht über den heimlichen Aufmarsch aus der Feder des Erleuchteten.

Gläubige!

Ich bin zutiefst enttäuscht: Mein Kandidat für die Bundespräsidentenwahl, Norbert Hofer, hat versagt. Ausgezogen, um ein totalitäres Gammlerregime zu errichten, in dem niemand mehr arbeiten muss, hat er die Träume seiner Anhänger, darunter Faschisten, Gammler und gammelnde Faschisten, platzen lassen wie eine Seifenblase.

Nach einer Wahlniederlage ist es allgemein üblich, sich mit einem Versorgungsposten und einem fürstlichen Ruhesalär belohnen zu lassen. Dieser Hofer aber, jener unersättliche Geck, hat unglaublich vielen Individuen noch mehr Arbeit aufgehalst und die Wahl angefochten! Ihm ist offenbar jedes Mittel recht, um oberster Gammler der Republik zu werden. So musste der Verfassungsgerichtshof für diesen Monat eine fünfte (!) Verhandlung anberaumen. Nur der Geistesgegenwart der Richter des VfGH ist es zu verdanken, dass alle anderen Verhandlungen gestrichen wurden und sie so insgesamt weniger arbeiten müssen. Alle anderen aber werden mit zusätzlicher Arbeit bestraft! Ist das der Traum von der Gammlerrepublik, die Hofer noch vor der Wahl großspurig beschworen hat? Nein, ein wahrer Nichtarbeiter lässt auch andere an seiner Nichtarbeit teilhaben.

So heißt es schon im Evangelium nach Esteban, im Kapitel „Früchte der Nichtarbeit“:

„Wenn es Gott, der Herr, gut mit dir meint und du von Arbeit verschont wirst dein Leben lang, so trachte danach, auch Anderen Arbeit zu ersparen. Denn wisse: Der sich von Arbeit befreit weiß und Andere auf hochmütige Art unnötige Arbeit verrichten lässt, ist gottlos und lästerlich. Statt in die ewige Arbeitslosigkeit einzugehen, wird dieser Sünder ewig verdammt sein, den verfluchten Felsblock der unnötigen Arbeit einen Berg hinaufzuwälzen. Der Felsblock der unnötigen Arbeit, der, fast am Gipfel angelangt, jedes Mal wieder ins Tal rollt.“

Somit ist also ohne Zweifel erwiesen: Hofer ist ein gottloser Falott. Aber schrecken auch seine Anhänger nicht vor sinnloser Arbeit zurück? Der Fisch fängt bekanntlich beim Kopf zu stinken an, der Gammler beim Fuß! Ich habe mich also auf den Weg gemacht, um mich vor Ort davon zu überzeugen, wie es um die Basis, die modernen Faschisten Österreichs, bestellt ist.

Es begab sich, dass in Wien eine rechtsextreme Demonstration angekündigt wurde. „Nichts wie hin!“ dachte ich mir. Leider wurde mir als geistlichem Würdenträger dort nicht der gebührende Respekt erwiesen. Ein Kordon von Polizisten forderte mich unter Gewaltandrohung auf, mich dem linken Pöbel, der sich zu einer Gegendemonstration geformt hat, anzuschließen. Auch von der Ferne bekam ich einen guten Eindruck von meinen zukünftigen Gläubigen.

Hofer-Anhänger mit Fahnen. Die Polizei marschiert im gemächlich-desinteressierten Schlendrian.
Die typischen linken Gammler haben auch Fahnen, schwenken diese aber weniger kraftvergeudend.
Zunächst gaben sich die Polizisten noch grimmig…
… hinter der Absperrung erkennt man aber schnell die Unlust an Arbeit…
… und schließlich bekommen sie eine Clown-Show der Truppe „Front Klex“ geliefert.
Dabei dämmerte es mir: Nicht die Faschisten sind die wahren Gammler!
Auch nicht die Linken! Einzig die Polizei musste während der ganzen Zeit nichts hackln. Es war eine Epiphanie, wie sie einem nur die gelebte Nichtarbeit eingibt.
Rund 1.000 Polizisten wurden nach Angaben der Wiener Polizei fürs Gammeln abbestellt.

Das ist eine ziemlich beeindruckende Nichtleistung. Von einem freundlichen Gruppeninspektor wurde mir bestätigt, dass sämtliches Gammeln mit Überstunden abgegolten wird. Als ich mein Lob aussprach, dass dieser als uniformierter Berufsdemonstrant ein gottgefälliges Leben führe, wurde dies mit einem Leberhaken quittiert. Der Polizist rechtfertigte sich damit, dass er gerne Menschen schlage und es somit keine Arbeit für ihn sei. Ich war mit der Erklärung zufrieden. Diese Leute verstehen schnell und sind ganz offensichtlich überaus empfänglich für die Lehren des Schwarzen Winkels.

Über die Hofer-Leute, die mich – einem Gammler vor dem Herrn – mit einem Wurfgeschoß bedacht haben, möchte ich mich hier nicht weiter äußern. Die Polizei aber zeigt eine beeindruckend organisierte Form der Nichtarbeit, die ihresgleichen sucht. Jene unter ihnen, denen Gewalt keine besondere Freude bereitet hat oder die müde waren vom Treten und Schlagen, wurden mit Tränengas ausgerüstet, um so ohne viel Anstrengung die Demonstranten zu vertreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob es einzig das Reizgas in der Luft war, das mich zu Tränen gerührt hat. Vielleicht war es auch dieses grazile Schauspiel der Arbeitsvermeidung durch die Wiener Polizei, dessen Zeuge ich werden durfte. Preiset den Herrn!

Die Redaktion besteht auf ein Katzenfoto zum Abschluss zwecks Click-Baiting.

 

 

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