Wort zum Sonntag: Der ungläubige Gernot

Gläubige!

Die gute Nachricht zuerst: Mir ist zu Ohren gekommen, die Zahl der Gammler, die nie in ihrem Leben arbeiten mussten und in einer politischen Partei der Scheintätigkeit frönen, wird größer und größer. Auch das Ruhesalär für Ämter, in denen nichts gearbeitet werden muss, wird immer üppiger.

Nun zur schlechten Nachricht: Einige dieser selbsternannten Elitegammler haben beschlossen, nur sie selbst hätten das Privileg verdient, dass ihr Gammeln mit öffentlichen Geldern finanziert wird. Sie missgönnen unseren Brüdern und Schwestern im Glauben das gottgegebene Recht auf Nichtarbeit!

Am Beispiel eines jungen Buben namens Gernot, seines Zeichens ranghöchster Gammler der ÖVP Wien, sah ich jüngst dieses irregeleitete Elitegammler-Denken. Die Mindestsicherung will er abschaffen, damit es weniger Gammler gibt, schreibt er in den sozialen Netzwerken. Er scheint wohl zu denken, jedem würde so wie ihm jederzeit ein Versorgungsposten bei der ÖVP bereitgestellt, in dem er sich den ganzen Tag bei Scheinleistungen vergnügen kann.

Die ihm eigene Arbeitsunwilligkeit ist löblich. Die theologische Frage, die sich hier jedoch aufdrängt: Ist es gotteslästerlich, ein Monopol auf Nichtarbeit zu begehren? Die Heiligen Schriften lassen hier keinen Interpretationsspielraum zu. Denn es steht geschrieben:

„Gepriesen sei der Gammler. Er hat keine Verpflichtungen. Die Nichtarbeit und das tägliche Gebet erfüllen ihn im Schlaf mit Göttlichkeit und bringen ihn dem Herrn näher. Wehe dem Gammler jedoch, der seinesgleichen mit Missgunst betrachtet und alle göttliche Faulheit für sich allein beansprucht. Tagsüber wird ihn der Wunsch zur Mehrarbeit peinigen, und nächtens soll ihm das Gebet nicht länger Ruhe verschaffen. Stattdessen werden Alpträume ihn plagen bis er sich wieder besinnt.“

Es ist also wahr: Nichtarbeit ist ohne Zweifel für alle gedacht! Und das nicht ohne Grund: Faulheit wird bekanntlich mehr, wenn man sie teilt. Woher kommt diese fehlgeleitete Missgunst?

Um das herauszufinden, habe ich meinen Minister für Denunziation und Demagogie beauftragt, dem Knaben zunächst ein Ultimatum zu stellen. Er möge sich binnen drei Tagen erklären oder entschuldigen. Wie es sich für einen aufrechten Gammler gehört, hat Gernot das ministerielle Schreiben ignoriert, da eine Beantwortung ja aufwändig gewesen wäre. Damit ist ein Mindestmaß an gottgefälliger Arbeitsunwilligkeit erkennbar. Der freche Bub hat die richtige Grundeinstellung und das sehe ich mit Wohlwollen.

Was also ist jetzt zu tun? Wenn der Gammler nicht zum Propheten kommt, dann muss der Prophet eben zum Gammler kommen. Ich habe mich nach Rücksprache mit Gott, dem Herrn entschlossen, eine Delegation unter meiner Leitung zum ungläubigen Gernot auszuschicken um ihn auf den rechten Weg zu bringen. Seitens seiner willfährigen Untergebenen wurde mir unterwürfigst versichert, Gernot könne es kaum erwarten, vom Propheten höchstselbst unterwiesen zu werden. Von Neuerungen in dieser Sache und Gernots Bekehrung zum wahren Glauben berichte ich selbstverständlich in naher Zukunft auf diesen Seiten.

Möge euch bis dahin die Nichtarbeit angenehme Träume bescheren. Preiset den Herrn!

Madras Bez

Quelle:
Gernot’s Twitter

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