Worte zur Wahl: Welcher Kandidat meinen Segen hat

Bundespräsidentsschaftskandidat und prominenter Unterstützer des deutschen Gammlerwesens: N. Hofer
© Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles KG / Mike Ranz

Gläubige!

Das Amt des Bundespräsidenten ist mit wenig Verantwortung, minimalen Kompetenzen, einem fürstlichen Ruhesalär und massiver Dampfplauderei verbunden. Dass dieser Posten nur dem Würdigsten zusteht ist unbestritten. Doch wer ist in den Augen des Herrn würdig? Als ehemaliger Wahlhelfer von Andreas Khol kann ich aus erster Hand bezeugen, dass Menschen nur zu oft ihre Ansichten ändern – eine stetige Neubewertung der Kandidaten unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsvermeidung scheint mir angebracht.

Um eine entsprechende Reevaluierung voranzutreiben, habe ich meiner getreuen Sekretärin, Susanne Messerschmidt, aufgetragen, den Kandidaten die Gretchenfrage zu stellen. Wie halten sie es mit der Arbeit? Haben sie etwas für Gammler im Programm? Werden die Menschen unter ihrer Ägide weniger oder mehr arbeiten müssen?

Einen enttäuschenden Anfang machte der vielversprechende Kandidat der ÖVP, der mit Wahlkampfslogans wie „Nein zu Christenverfolgungen“ zunächst für Furore unter den Gammlern sorgte: Um sein Wahlversprechen in Österreich zu erfüllen, bräuche niemand auch nur einen Finger zu rühren! Das ist wahre Poesie, ein Kunstwerk der Nichtarbeit in den Augen des Herrn. Aber auch die schmeichelnde Antwort bezüglich unserer Website hackln-is-oasch.at kann Khol nicht mehr retten: Wer die soziale Hängematte nur für die eigenen Leute beansprucht, ist unwürdig für das Amt des obersten Gammlers der Republik.

antwort khol

Zur Ehrenrettung von Andreas Khol muss gesagt sein, er hat seinen Fehler eingesehen und nach seiner Wahlniederlage jeglicher Arbeit abgeschworen, sogar der bezahlten Nichtarbeit.  Wie sieht es aber mit Gammlern vom Schlag eines Alexander van der Bellen aus? Zeit seines Lebens war er bemüht, der Arbeit in der Privatwirtschaft zu entfliehen, aber ist er auch bereit, anderen Menschen Arbeit zu ersparen?

antwort vdb

Wohl eher nicht! Zwar beweist die Copy/Paste-Antwort auf eine einfache Frage, die sogar „Team Andreas Khol“ verstanden hat, die löbliche Unmotiviertheit seiner Wahlhelfer, doch zeugt die Tatsache, dass hier überhaupt Menschen zum Einsatz kamen, von einem bestenfalls vormodernen Verständnis von Arbeitsdelegation. Ganz anders hingegen die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss, die bei ihrer Antwort auf zukunftsträchtige Technologien gesetzt hat: den automatisierten Antworten, die Susanne sofort darüber informiert haben, dass Griss keine Zeit in eine Antwort investieren will. Weder ihre eigene, noch die ihrer Wahlhelfer.

antwort griss

Es versteht sich von selbst, dass keine weitere Antwort mehr dazu gekommen ist. Fürwahr, diesen modernen Einsatz der Technik, sozusagen als Vorläufer der Nanobots, die uns die Erlösung von der Arbeit bringen werden, hat mich zutiefst gerührt. Es ist ein Jammer, dass es die Dame nicht in die Stichwahl geschafft hat. Sie hätte sich ein fürstliches Ruhesalär verdient. Keine Antwort haben wir von Lugner und Hundstorfer bekommen, die sich aber beide bereits offen für Arbeit ausgesprochen haben. Lugner will sogar die Sonntagsarbeit und ist daher ohnehin nicht ernstzunehmen.

Der Kandidat jedoch, der mich am meisten beeindruckt hat, war Norbert Hofer. Sein gottgefällig selbstherrliches Auftreten imponiert mir. Und siehe da: Er hat keine Bedenken, sich zwecks Arbeitsersparnis über geltendes Recht hinwegzusetzen! Obwohl es gesetzlich nicht erlaubt ist, muss man, um ihn zu kontaktieren, zustimmen, seine Spambotschaften zu akzeptieren, in seiner Datenbank zu landen und sogar Post und SMS zu bekommen, bevor man ihm schreiben darf. Eine offensive Verwendung von arbeitsersparender Technologie! Ich bin hin- und hergerissen.

antwort hofer

Da Norbert Hofer sich im privaten Umfeld gerne mit Deutschlandfahne zeigt und auch immer wieder den Wunsch nach einem Anschluss Österreichs an Deutschland äußert, war ich zunächst jedoch skeptisch: Wird es im Falle eines Anschlusses nicht schwieriger werden für Gammler? Hofer hat mir sofort zugesichert, dass dies nicht seine Absicht sei. Auch soll es keine Zwangsarbeitslager mehr geben, dies sei eine klare Verfehlung seiner Vorgängerpartei gewesen. Unter seiner Führung werden sich die Menschen noch wundern, wieviel man obezahn kann. „Die Zukunft der Gammler liegt in Großdeutschland nicht beim AMS, sondern bei der AfA!“ führte Hofer aus. Anbei ein Entwurf unserer gemeinsamen Kampagne „Heimattreu & Arbeitsscheu“, die das neue Konzept in einer simplen Grafik erklärt.

Modifizierte Version von © Parlamentsdirektion / Bildagentur Zolles KG / Mike Ranz (original hier)

Dass mir – dem Propheten des wahren Glaubens! – der österreichische Staat in einer Nacht- und Nebelaktion das Wahlrecht aberkannt hat, nahm Hofer mit großem Bedauern zur Kenntnis. „So kann es nicht angehen! In Großdeutschland werden alle Anhänger des Schwarzen Winkels wieder wählen dürfen, und auch alle anderen Menschen – solange  sie Mitglied der Freiheitlichen Partei sind!“ verspricht er mir selbstbewusst. Ein Mann nach meinem Geschmack – ambitioniert und autokratisch wie es Gott gewollt hat!

In diesem Sinne kann ich eine klare Wahlempfehlung für Norbert Hofer abgeben: Wer heimattreu und arbeitsscheu ist, dem wird auch gar nichts anderes übrigbleiben, als bei der Stichwahl im Namen Gottes ein heiliges Kreuz bei Norbert Hofer zu machen. Preiset den Herrn!

 

 

 

 

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